Wie wir miteinander umgehen sollen!


Ich habe mir vorgenommen, hier auch immer wieder über Bücher zu schreiben, die mich bewegen oder die ich wichtig finde, und auch darüber, was ich mir darüber denke.

Mit welchen unter den zahlreich möglichen Titeln beginnen, großartige, bekannte, unbekannte, gefeierte, …? Da ist mir dieses Thema in den Sinn gekommen, weil ich seit langem darüber nachdenke.

Über den Umgang miteinander

Unsere Gesellschaft befindet sich im emotionalen und sozialen Zerfall.

Die Diagnose ist eindeutig, von wem auch immer sie kommt. Welche Positionen auch immer wir einnehmen und die Art, wie wir sie vertreten, das Ich steht im Vordergrund. Recht zu haben und zu behalten, wird als Wert an sich betrachtet. Bei der Wahl der Mittel sind wir nicht zimperlich. Reflexion, wozu? 

Die Ich-AGs sind auf dem Vormarsch. Zuerst wollen wir unsere eigenen Bedürfnisse befriedigt sehen und dann, lange nichts. Dabei übersehen wir, ob wir das wollen oder nicht, dass wir soziale Wesen sind und in vielerlei Hinsicht von anderen, von unserer sozialen Umwelt, von der Interaktion mit unseren Gegenübern abhängig sind. 

Wer nichts Gutes gibt, bekommt nichts Gutes zurück. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. 

Wir müssen uns daher fragen: Soll sich das fortsetzen und mit welchen Konsequenzen? Wohin soll das führen? Oder müssen wir selbst und als Gemeinschaft alle Anstrengungen unternehmen, um das umzukehren. 

Veränderung ist möglich

  • Es gibt ein Mittel, das Linderung und Veränderung, wenn schon nicht Heilung verspricht. Das Mittel heißt Wertschätzung und es kostet nichts, jedenfalls nicht in Form von Geldwert (auch wenn es die Silbe „wert“ enthält).
  • Und man kann profund und unterhaltsam darüber lesen:

    Reinhard Haller
    Das Wunder der Wertschätzung
    Gräfe und Unzer Verlag GmbH

Reinhard Haller ist einer der bekanntesten und profiliertesten Psychiater Österreichs und war in einigen Aufsehen erregenden Kriminalfällen als Gerichtsgutachter tätig. Sein Wissen über das Negative im Menschen und seine Erfahrungen damit hat er in mehreren Büchern der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

Mit diesem Buch aber eröffnet er uns nun die Chance auf eine bessere Welt und zeigt, wie wir den Menschen, mit denen wir zu tun haben, positiv begegnen und Gutes tun können. Und wie sich das auch gut auf uns selber auswirkt. 

Lesbare Wissenschaft

Der Autor beginnt mit einer Diagnose des Zustandes unserer Gesellschaft. Er beschreibt, welche Verhaltensweisen und Mechanismen dazu führen, Menschen emotional zu bedrängen und letztlich massiv zu beeinträchtigen; wie Entwertung funktioniert. 

Radikale Sprache, Narzissmus, Beschämung, Neid, Aggression, Kränkung und Entwertung. 

Eben das kann zu grausamer Selbstbeschädigung führen, aber auch zu furchtbaren Ausbrüchen gegen Andere.

Aufmerksamkeit, Beachtung, Achtsamkeit, Respekt, Anerkennung, Lob, Belohnung, Dank, Empathie, Liebe

Wir lesen aber auch darüber, was Wertschätzung ist und bedeutet, das es mehr ist als Achtsamkeit und Empathie (obwohl das wichtige und gute Elemente sind). Wir lernen, dass auch Kritik tatsächlich wertschätzend sein kann und zu viel des Guten nicht „gut“ ist. Ja und wir dürfen Wertschätzung auch einfordern. Wenn das alles denn oft so leicht wäre.  

Dreh- und Angelpunkt: Selbstwertschätzung

Nur wer sich selbst wertzuschätzen weiß, kann auch anderen Menschen wertschätzend begegnen. 

Reinhard Haller zeigt uns dann, wie einfach zugewandter Umgang miteinander, Zuhören, und andere Mittel helfen, unsere Mitmenschen zu stärken, ihnen zu helfen, durchaus in deren Sinne. Und er beschreibt, wie das auch gut auf uns zurückfällt. Er schließt mit umsetzbaren und anwendbaren Vorschlägen, wie es uns gelingen kann, die Welt – zumindest die kleine Welt um uns – ein wenig besser zu machen.  

Was einen guten Teil des Lesegenusses ausmacht, sind die zahlreichen ganz leicht nachvollziehbaren (aber manchmal umso tragischeren) Fallbeispiele aus der reichen Erfahrung des Autors.

Wir werden uns nicht von heute auf morgen ändern, auch ich werde das nicht. Die Lektüre dieses Buches macht uns aber deutlich, welche Mechanismen in der Gestaltung unserer Beziehungen wirken und was wir verändern oder verbessern können und sollten – zu unserem eigenen und zum Vorteil unserer Gegenüber. 

Ein eminent wichtiges Buch. Manche werden es schon gelesen haben, für alle anderen eine unbedingte Empfehlung!

Also, mit der Textzeile von Wolfgang Ambros. „… net alles was an wert hat muss a an preis ham“. 

Auf ein wertschätzendes Miteinander!

Gerhard Breindl

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